Energievampire

Ein viel zu wenig beachtetes Problem ist das des Energievampirismus. Ein Energievampir ist aber kein bösartiges dämonisches oder untotes Wesen, sondern bedeutet in der Fachsprache der Magier einfach nur einen Menschen mit einem niedrigen Energieniveau, der – meist sogar unbewußt – parasitär an der Energie anderer partizipiert. Dieses niedrige Energieniveau entsteht meist durch ein unausgeglichenes Seelenleben und mangelnde Zentriertheit, kann aber auch andere Gründe haben. Ein Energievampir ist also keine zu fürchtende Horrorgestalt, sondern einfach ein Mensch, der im Ungleichgewicht mit sich und der Natur ist.

Beinahe überall gibt es jemanden der sich bewußt oder unbewußt an den Energiereserven anderer zu schaffen macht und beharrlich davon zehrt. Ständig beleidigt, trostbedürftig und auf irgendeine Weise um Zuwendung buhlend, zwingt er seine Mitmenschen mit vielfältigen Mitteln, ihm ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Energievampire hungern nach Aufmerksamkeit, denn wer jemandem Aufmerksamkeit widmet, der widmet ihm auch Energie. Deshalb bringen sich Energievampire gern in den Mittelpunkt. Das Schmarotzen an fremder Energie geht häufig über lange Zeiträume leidlich gut – bis eines Tages sein Opfer erkrankt, die Flucht ergreift oder auf andere Weise die Erschöpfung seiner Energien kundtut.

Meist geschieht dieser Energieraub völlig unbewußt, ja er ergibt sich oft sogar fast zwangsläufig, nämlich wenn der absaugende Mensch ein niedriges Energieniveau besitzt, während sein “Opfer” über ein Mehr an Vitalenergie verfügt, so daß ein Gefälle vorhanden ist, welches sich auszugleichen versucht. Es genügt schon, sich örtlich relativ nahe zu kommen, z.B. Gesprächsnähe, um dem Austausch von Energie zu initiieren. Das löst der Energievampir auch nur selten böswillig selbst aus, meist erfolgt einfach nur die Bemühung der Natur, aus einem Ungleichgewicht ein Gleichgewicht zu machen, ähnlich wie bei einer Osmose. So kann auch in ganz normalen Alltagssituationen die schiere Nähe zu einem Energievampir zu einem deutlich spürbaren Energieabfall führen. Dieser kann sich in Müdigkeit, Mattigkeit oder sogar Krankheit bemerkbar machen.

Der Energievampir braucht Aufmerksamkeit und sucht sie mit allen Mitteln zu erlangen. Nicht nur, daß er meist pausenlos redet, unterbricht, oder andere zu übertönen versucht – er hat auch noch andere Tricks auf Lager. Fließt z.B. die Aufmerksamkeit einer anderen Person zu, indem sich grade viele andere Personen dieser Person zuwenden, bedeutet das für einen Energievampir ein Defizit an Aufmerksamkeit. Dies versucht er nun zu ändern, indem er sich sofort in den Mittelpunkt des Geschehens stellen muß, egal wie. Entweder spielt er unmittelbar das arme, bedauernswerte Ich oder kaspert herum oder benimmt sich schlecht, nur um damit Aufmerksamkeit zu erzwingen.

Bekommt der Energievampir dennoch keine oder nicht genügend Aufmerksamkeit, sucht er sich diese anderswo. Zu einer wahren, wechselseitigen Freundschaft ist ein Energievampir nicht fähig, da er nur ausnutzen aber nicht geben kann. Wirkliche Freundschaft (die ja ein gegenseitiger Austausch von Energie ist) will der Energievampir eigentlich auch gar nicht, er will nur Energie bekommen. Die Frage ist nur, wie lange sich seine Opfer das gefallen lassen, wenn sie bewußt oder unbewußt den Energievampir erkannt und enttarnt haben.

In diesem Fall muß der Energievampir sich ein neues Opfer suchen, das er “aussaugen” kann. Um so schlimmer, wenn es sein einziges Opfer ist, denn bei einer Gruppe fällt der auf alle verteilte Energieverlust weniger auf als bei einem Einzelnen. Dort muß der Energievampir dann permanent zapfen, weil seine anderen Quellen zu versiegen drohen.

Irgendwann aber wird auch dieses Opfer das Muster erkennen und die Flucht ergreifen. Jeder erkennt das irgendwann, denn das ist nicht sonderlich schwierig. Und schon muß sich der Energievampir nach einem neuen Opfer umsehen. Deshalb ist ein Energievampir nicht zu längeren Bindungen oder Beziehungen fähig, denn er braucht immer neue Quellen, weil die alten es nicht durchhalten und sich ihm entziehen.

Wer aufmerksam ist und vielleicht auch “magisch” schauen kann, wird einen solchen Energieräuber leicht erkennen und auch innerhalb einer Gruppe identifizieren. Und die meisten Menschen könnten sicherlich ein paar davon aus ihrem Umfeld aufzählen. Hat man nicht die Begabung, Energie zu “sehen”, kann man den Energievampir auch noch an anderen Dingen erkennen.

Er hat keinen Schatten und kein Spiegelbild… ach nein, das war etwas anderes…

Energievampire haben häufig wechselnde Bekanntschaften und nur selten Freunde fürs Leben, weil früher oder später alle vor ihnen flüchten.

Ein Energievampir umgibt sich gerne mit jungen Menschen, da bei ihnen die Lebenskraft noch am höchsten ist und ihre Unerfahrenheit ein Erkennen meist verzögert. Früher legte man kränklichen alten Menschen Kinder ins Bett damit sie genesen konnten – ein ganz ähnliches Phänomen (und wieso wohl wollen so viele Leute jugendliche Liebhaber?).

Ein Energievampir stellt sich sofort in den Mittelpunkt, wenn die Energie zu anderen fließt und benutzt dazu allerlei Tricks, auch wenn er damit bei den anderen aneckt. Er muß sich immer irgendwie präsentieren, und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Ein Energievampir ist meisten ganz arm dran, ist gern immer mal totkrank, leidet unter einem schlechten Familienleben oder steckt sonstwie in der Klemme – Hauptsache, man widmet seiner Misere in hohem Maße Aufmerksamkeit. Jeder jammert mal oder muß sich mal Luft machen, aber der Energievampir tut das fast pausenlos. Komischerweise erholen sich diese »Sterbenskranken« aber immer sehr schnell wieder, besonders wenn sie Aufmerksamkeit bekommen. Vielfach flirtet er auch heftigst und setzt auch körperlich-sexuelle Reize ein, nur damit man hinschaut.

Merkt ein Energievampir, daß man ihm Energie vorenthält, indem man seine Aufmerksamkeit einer anderen Person schenkt und diese Tricks nicht greifen, wendet er sich vorerst schmollend ab. Er sucht sich dann ganz schnell ein anderes Opfer, oder kommt irgendwann später auf einen zurück.

Ein Energievampir läßt nicht los, wenn er erst einmal ein Opfer gefunden hat. Er kann es nicht hinnehmen, wenn diese Person die Flucht ergreift und kann darüber so wütend werden, daß er einen regelrechten Rachefeldzug unternimmt. Er erträgt keinerlei Zurückweisung, weil das einem Abschneiden seiner Energiezufuhr gleichkommt, es ist sozusagen Nahrungsentzug.

Ist der Energiekontakt zu einem Wirt erst einmal hergestellt, erschlägt der Energievampir sein Opfer mit E-Mails, Briefen oder Telefonaten, denn auch auf Entfernung kann er Energie entziehen, wenn er erst einmal in das persönliche Bezugssystems seines Wirtes eingedrungen ist, selbst wenn sich dieser gerade auf einem anderen Kontinent befindet.

Energievampire halten sich von Menschen fern, die ihnen keine Aufmerksamkeit schenken. Vor erfahrenen Magiern, die ihnen schon mal einen kleinen “Gegenschlag” versetzen können, indem sie ihm ihrerseits sogar Energie entziehen, ergreifen sie wütend und eingeschnappt die Flucht. Energievampire können auch nicht untereinander sein. Sie halten sich immer an diejenigen, die sie auch bewirten.

Natürlich soll hier niemand veranlaßt werden, in Panik auszubrechen und in Verfolgungswahn zu verfallen und überall Feinde zu wittern, die es auf die eigene kostbare magische Energie abgesehen haben. Man sollte auf keinen Fall den Fehler begehen, überzureagieren, wenn man tatsächlich einmal einen Energievampir zu erkennen glaubt. Die gibt es zwar häufiger als man denkt, werden aber nur selten zu einer Bedrohung und nur dann, wenn man es zuläßt.

Man hüte sich vor Mißtrauen und sollte nicht gleich davon ausgehen, daß der andere einen absichtlich als Energiequelle mißbraucht. Sollte dies allerdings, was sehr selten ist, tatsächlich der Fall sein, so bricht man besser vorläufig jeden magischen und auch weltlichen Kontakt mit der betreffenden Person ab. Man braucht nur ein wenig wachsam sein, dann kann man sich ihrer recht leicht erwehren, indem man ihnen einfach nicht das gibt, was sie brauchen, und das geschieht am besten durch Ruhe und Zentriertheit.

Problematisch kann es sein, wenn man zusammen mit einem Energievampir magisch arbeiten möchte. Der Entzugseffekt kann nämlich auch im Ritual auftreten, was meist einen allgemeinen Energieverlust an den Energievampir bedeutet, der dafür seinerseits mit erheblichem Energiegewinn aus dem Ritual hervorgeht. Im Ritual ist das “Opfer” aber keineswegs zu bedauern, denn dergleichen kann nur durch Unachtsamkeit, Selbstüberschätzung und schlampigen magischen Schutz geschehen. Wenn man zentriert bleibt, sein Schutzsymbol aktiviert hat und sich ausreichend erdet, kann eigentlich nichts dergleichen passieren. Man macht einfach “seine Aura dicht” und behält seine eigene Energie willentlich für sich und bei sich.

Auf dieselbe Weise kann man sich aber auch im Alltag schützen, wenn man einen Energieräuber bemerkt. Falls es sich jedoch um eine nahestehende Person handelt, kann man sie ruhig mit etwas Energie unterstützen, wenn man selbst ohnehin genug davon hat, denn die andere Person braucht sie offenbar dringend. Aber noch hilfreicher ist es, dem Grund für diesen Bedarf auf die Spur zu kommen und lieber die Ursache anzugehen als die Symptome zu befriedigen, denn man kann ein Faß ohne Boden auf Dauer nicht füllen. Aber als “erste Hilfe” ist ein kleiner Energieschub auch nicht verkehrt.

Wenn es eine nahestehende Person ist, kann man diese auf nette Weise auf ihr Energiedefizit und auf ihren räuberischen Einfluß aufmerksam machen, und sie in Möglichkeiten unterweisen, sich die fehlende Energie anderweitig zu beschaffen, bzw. ihren beständigen Zuvielverbrauch einzuschränken. Meist gibt es in Psyche oder Leben dieser Person etwas Wichtiges in Ordnung zu bringen.

Also noch einmal: Energievampire sind zwar überall, aber kein Grund zur Panik. Wenn man weiß, wie man sie erkennt und mit ihnen umgehen muß, sind sie kein besonderes Problem mehr. Und nicht zu vergessen: sie sind auch Menschen – sie sind keine Aussätzigen, und die meisten wissen nicht einmal, daß sie Energievampire sind, bzw. was das überhaupt ist. Also meide man sie oder helfe man ihnen, die Ursache für ihr Energieproblem zu lösen, aber weder füttere man sie unnötig noch verfolge man sie mit Aggression. Es sind eben Menschen – und jeder kann sich seinen Umgang selbst aussuchen.

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